“So haben wir das Controlling verarscht.”
Der Satz sitzt. Weil ihn fast jeder Ingenieur oder Projektleiter schon mal gedacht oder erlebt hat.
Intern wird ein Desktop-Drucker gekauft. Ein paar hundert Euro. Eine Filamentspule liegt irgendwo zwischen “kaum der Rede wert” und “unter der Freigabegrenze”. Im Meeting klingt das grandios: Wir machen das jetzt selbst. Schnell. Unabhängig. Billig.
Und genau da kippt die Rechnung – brutal.
Was das Controlling sieht – und was es nicht sieht
Was sichtbar ist, ist lächerlich banal:
- 500-1.500 € für den Drucker
- 20-30 € für eine Spule
- ein bisschen Strom
- ein bisschen Zubehör
Was unsichtbar bleibt und die Wirtschaftlichkeit killt:
- Bauteil einordnen
- Material festlegen
- Slicing und Ausrichtung
- Supports und Toleranzen prüfen
- Ersten Fehlversuch einsammeln
- Nacharbeiten
- Nochmal drucken
- Maß prüfen
- Intern abstimmen
- Maschine sauber halten
- Nozzle wechseln
- Parameter nachziehen
Am Ende erklärt jemand, warum das “billige Inhouse-Teil” trotzdem drei Stunden teure Ingenieurzeit gefressen hat.
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In 30 Sekunden siehst du, ob dein Inhouse-Druck wirklich günstig ist – oder ob du gerade teure Ingenieurzeit verbrennst.
Die echte Break-even-Frage
Die ehrlichste Frage lautet nicht “Was kostet die Spule?”
Sie lautet: Wie viele Minuten interne Arbeitszeit darf dieses Teil fressen, bevor extern günstiger ist?
| Externer Preis | Interne Fixkosten | Max. interne Arbeitszeit |
|---|---|---|
| 20 € | 5 € | 16 Minuten |
| 35 € | 8 € | 29 Minuten |
| 70 € | 18 € | 57 Minuten |
| 120 € | 35 € | 93 Minuten |
Die drei Kostenblöcke, die intern fast immer fehlen
1. Ingenieurzeit ist nicht gratis
Seine Stunde hat Vollkosten – und die fehlt gleichzeitig an Konstruktion, Freigabe oder Kundenprojekt.
2. Fehlversuche sind kein Randphänomen
Warping, Maßkorrekturen, schlechte Oberflächen – genau deshalb: ASA ohne Warping.
3. Prozesspflege ist Arbeit
Düsen, Profile, Trockenlagerung – ein Drucker, der “eigentlich ganz okay läuft”, ist noch kein Prozess.
Musterkalkulationen 2026 – echte Unternehmensbauteile
| Bauteil | Externer Preis | Interner Aufwand | Interne Vollkosten |
|---|---|---|---|
| Einfache Halterung PLA+ | 29 € | 51 Minuten | 54 € |
| ASA-Gehäuse Innen/Außen | 69 € | 120 Minuten | 129 € |
| Kleine Montagevorrichtung | 119 € | 159 Minuten | 201 € |
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Bei 6+ STL-Dateien: → Sammel-Upload nutzen
Wann Inhouse trotzdem sinnvoll ist – und wann nicht
Inhouse gewinnt nur, wenn drei Dinge gleichzeitig stimmen: echtes Volumen, sauberer Prozess und geschäftskritischer Iterationsvorteil. Sonst verbrennst du teure Ingenieurzeit.
→ Zum Entscheidungsbaum: Intern oder extern?
Falls Material die Unsicherheit ist: Materialwahl für Funktionsteile
Checkliste – ehrliche Inhouse-Entscheidung
Wenn du viermal oder öfter “Nein” sagen musst, hör auf zu schönzurechnen.
- Ist das Teil wirklich wiederkehrend?
- Ist Material und Einsatzfall klar?
- Gibt es intern einen Verantwortlichen?
- Liegt der Aufwand pro Teil unter einer Stunde?
- Sind Fehlversuche und Nacharbeit einkalkuliert?
- Würdest du die Rechnung auch mit voller Ingenieurstunde unterschreiben?
Der nüchterne Schluss
3D-Druck intern ist nicht dumm.
Falsch gerechneter Inhouse-3D-Druck ist teuer.
Der Fehler beginnt nicht beim Drucker. Er beginnt dort, wo aus einem sinnvollen Werkzeug eine romantische Sparmaßnahme wird – und später genau daraus Sunk Cost Engineering entsteht.
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Zwei Minuten Realität statt weiterer Meetings.
